Der Sorgenfänger

Weinheimer Nachrichten/Aus aller Welt/23.12.17

Peter Borchert spricht gern in Bildern. Auch mit den Menschen, die ihm am Telefon von ihren Sorgen erzählen. Der 71-Jährige möchte erreichen, dass diejenigen, die sich im Dunkeln fühlen, mit seiner Hilfe „selbst eine innere Kerze anzünden“. Borchert ist einer von wenigen Männern, die ehrenamtlich bei der Telefonseelsorge Rhein-Neckar arbeiten. 157 Freiwillige sind hier im Dienst, fast 80 Prozent von ihnen Frauen. Sie sind rund um die Uhr erreichbar, auch jetzt vor Weihnachten – und an den Feiertagen. Peter Borchert ist Theologe, arbeitete zuletzt elf Jahre lang in der Entwicklungshilfe in Gambia und Uganda. Zurück in Deutschland wollte der Weinheimer „nicht nur in den Garten schauen“ – und entschied sich für die Telefonseelsorge. An diesem frühen Morgen im Advent hat Borchert eine lange Nachtschicht hinter sich. Gerade jetzt, in der Vorweihnachtszeit, rufen vermehrt Menschen an. Viele, weil sie sich allein fühlen. Andere, weil sie Angst vor Familienstress an den Feiertagen haben. Gemeinsam mit seinen Anrufern sucht Borchert dann „eine innere Insel, auf die sie fliehen können: Musik, einen Spaziergang, die Kirche als Ort der Ruhe“. Er wolle nicht in der Theorie bleiben, sondern den Hilfesuchenden eine Idee mitgeben, wie es nach dem Auflegen weitergehen kann. Peter Borcherts Insel? „Mein Ehrenamt.“